Die rätselhaften Nuraghen Sardiniens – Steinriesen einer fast vergessenen Kultur

Die rätselhaften Nuraghen Sardiniens – Steinriesen einer fast vergessenen Kultur Wer durch Sardinien reist, stolpert früher oder später über sie: die Nuraghen. Oder besser gesagt – man fährt dran vorbei, steigt aus, läuft drumherum und fragt sich, wie Menschen vor mehr als 3.500 Jahren solche massiven Türme aus Stein aufeinanderschichten konnten. Diese prähistorischen Bauten tauchen überall auf der Insel auf. Tausende. Als hätte jemand ein gigantisches Brettspiel über die Landschaft verstreut. Was genau sind Nuraghen? Die kurzen Fakten zuerst: Nuraghen sind kegelförmige Steintürme, errichtet aus großen, oft unbehauenen Felsbrocken. Ihre Ursprünge reichen bis ins 2. Jahrtausend v. Chr. – Bronzezeit. Die Architektur wirkt erstaunlich fortschrittlich: Kuppelartige Innenräume, verschachtelte Kammern, spiralförmige Treppen. Ohne einen Tropfen Mörtel. Bis heute weiß man nicht sicher, welchem Zweck sie dienten. Tempel? Festungen? Treffpunkte? Vielleicht alles gleichzeitig oder je nach Ort...

Die sardische Musiktradition: Von den launischen Klängen der Launeddas bis zu modernen Einflüssen

Die sardische Musiktradition: Von den launischen Klängen der Launeddas bis zu modernen Einflüssen


Alte Töne, lebendige Insel

Sardinien klingt anders. Wer einmal durch die engen Gassen eines kleinen Dorfs auf der Insel gelaufen ist, weiß, was gemeint ist: Aus einem Fenster dringen sanfte Melodien, vielleicht ein kehliger Gesang, irgendwo hört man ein Instrument, das klingt wie eine Mischung aus Flöte, Dudelsack und etwas, das man nicht ganz greifen kann.
Das ist sie – die Launeddas, das Herzstück der sardischen Musiktradition.


Die Launeddas – ein Instrument mit Charakter

Drei Rohrblätter, ein Musiker, kein Ende. So könnte man die Launeddas beschreiben. Sie besteht aus drei Röhren: zwei, die Melodie spielen, und eine, die den Bordunton hält – also das konstante Grundbrummen, das die Musik trägt. Der Spieler nutzt eine spezielle Atemtechnik, die sogenannte Zirkularatmung. Damit kann er ohne Unterbrechung blasen. Minutenlang. Stundenlang, theoretisch.

Das Ergebnis? Eine Musik, die hypnotisch wirkt. Fast tranceartig. Sie wird oft bei religiösen Festen gespielt, auf Hochzeiten oder Dorffeiern.
Und obwohl sie uralt ist – archäologische Funde deuten auf über 2000 Jahre Geschichte hin – klingt sie noch immer frisch. Vielleicht, weil sie so unberechenbar ist. Launisch, wie der Mistralwind, der über die Insel fegt.


Mehr als nur Flötenklänge: Gesang und Rhythmus

Die Launeddas ist zwar das bekannteste sardische Instrument, aber längst nicht das einzige.
Da ist zum Beispiel der Canto a tenore, ein mehrstimmiger Männergesang, der von der UNESCO als immaterielles Kulturgut anerkannt wurde. Vier Stimmen, die sich zu einem brummenden, vibrierenden Klangteppich verweben. Fast wie Obertonmusik, roh und direkt. Wer das einmal live hört, vergisst es nicht so schnell.

Dazu kommen Tamburinos (Trommeln), einfache Gitarren, und manchmal auch moderne Instrumente – Akkordeon, Geige, selbst E-Gitarre, wenn es sein muss. Sardinien ist musikalisch kein Museum. Die Insel lebt, atmet, verändert sich.


Zwischen Tradition und Moderne

Viele junge sardische Musikerinnen und Musiker greifen heute wieder auf alte Stücke zurück – mischen sie mit Jazz, Folk oder elektronischen Beats.
Ein gutes Beispiel: Paolo Fresu, der Jazz-Trompeter aus Berchidda. Seine Musik verbindet mediterrane Melancholie mit modernen Soundexperimenten.
Oder Elena Ledda, deren Stimme irgendwo zwischen Tradition und Weltmusik schwebt. Beide zeigen, dass sardische Musik keine verstaubte Angelegenheit ist, sondern ein offenes System.

Manchmal hört man in Clubs auf der Insel sogar Remixe alter Hirtenlieder. Klingt seltsam? Vielleicht. Aber genau das ist das Spannende: Sardische Musik bleibt in Bewegung.


Persönliche Notiz

Ich erinnere mich an eine Sommernacht in Bosa. Ein kleiner Platz, kaum Licht, ein paar Leute, die improvisiert musizierten. Einer spielte Launeddas, ein anderer Trommel, jemand sang mit rauer Stimme. Kein Mikrofon, kein Publikum – nur Klang.
Da verstand ich, dass Musik auf Sardinien nicht einfach gespielt wird. Sie passiert.
Und man merkt, wie tief sie in den Menschen verwurzelt ist, ohne dass jemand groß darüber redet.


FAQ – Sardische Musik kurz erklärt

Was sind Launeddas genau?
Ein traditionelles sardisches Blasinstrument aus drei Rohrblättern. Es wird durch Zirkularatmung gespielt, was endlose Melodien ermöglicht.

Wie alt ist die Launeddas-Tradition?
Sie reicht vermutlich bis in die Nuraghenzeit zurück, also über 2000 Jahre.

Wo kann man Launeddas-Musik hören?
Vor allem auf Dorffesten, religiösen Feiern und bei traditionellen Tänzen. In Städten wie Cagliari oder Nuoro gibt es auch Musikschulen, die das Spiel unterrichten.

Was ist Canto a tenore?
Ein polyphoner Männergesang, bei dem vier Stimmen gleichzeitig erklingen – tief, kehlig und sehr charakteristisch.

Wird die sardische Musik heute noch gespielt?
Ja, lebendiger denn je. Viele junge Musiker verbinden traditionelle Klänge mit modernen Stilen – von Jazz bis Elektronik.

Kann man die Instrumente lernen, auch als Tourist?
Einige Musikschulen und Workshops bieten Einführungen an. Wer länger auf der Insel bleibt, findet oft Lehrer in den Dörfern.

Gibt es sardische Popmusik?
Ja. Künstler wie Tazenda oder Maria Giovanna Cherchi mischen sardische Sprache und Motive mit modernen Pop- und Rockelementen.


Labels:
Sardinien, Musik, Tradition, Launeddas, Canto a tenore, Folk, Kultur, Italien, Reisen, Klang, Geschichte, Moderne Musik

Meta-Beschreibung:
Ein Blick in die sardische Musiktradition: Von den uralten Launeddas und dem Canto a tenore bis zu modernen Einflüssen und lebendiger Inselkultur – eine Reise durch Klang, Geschichte und persönliche Eindrücke.



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